Rechtsformen bei Firmengründung

In Ihrem Kopf ist Ihre Geschäftsidee bereits völlig ausgereift und Sie möchten sofort loslegen – wenn Sie könnten?  Zuvor gilt es jedoch noch einige Hürden zur endgültigen Umsetzung zu überwinden. Dazu zählt zum einen die Wahl der richtigen Rechtsform bei Ihrer Firmengründung.

Im weiteren Verlauf dieses Artikels möchte ich Ihnen einen Überblick über Ihre Möglichkeiten verschaffen, um Ihnen den Weg zu einer passenden Rechtsform für Ihre unternehmerischen Vorhaben etwas zu erleichtern. Dennoch sollten Sie sich professionellen Rat beim Rechtsanwalt und Steuerberater Ihres Vertrauens einholen.

Die Wahl zur richtigen Rechtsform bei Firmengründung ist sowohl wichtig für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens als auch für das Erscheinungsbild nach außen. Flexibilität bei sich ändernden Marktbedingungen und eine einfache Handhabung der Rechtsform sind nur einige Ansprüche unter vielen, die in Ihrer Wahl berücksichtigt werden sollten.

Welche Probleme und Fragestellungen sollte die richtige Rechtsform bei Firmengründung berücksichtigen?

Die folgenden Punkte sollten Sie bei der Entscheidungsfindung zur richtigen Rechtsform berücksichtigen. Im Optimalfall finden Sie zu all diesen Punkten eine Antwort:

  1. Gesellschaftszweck: Betreiben Sie ein Handelsgewerbe? Oder sind Sie vielleicht Freiberufler? An dieser Stelle kann schon klarer werden, ob Sie sich eher für die Rechtsform einer Personen- oder Kapitalgesellschaft entscheiden sollten.
  2. Haftung: Gibt es besondere Haftungsrisiken? Je größer die Haftungsrisiken bei Ihrem unternehmerischen Vorhaben sind, desto essentieller wird die Frage der Haftungsbeschränkung für die Wahl der Rechtsform sein. Die Kapitalgesellschaft ist dann interessanter, wenn die Gesellschafter nur mit ihrem unternehmerisch eingesetzten Kapital haften möchten (und das Privatvermögen unberührt bleibt). Bei den Personengesellschaften kann bei den Rechtsformen KG und der Partnerschaftsgesellschaft zumindest ein Teil der Gesellschafterhaftung beschränkt werden. Eine besondere Form ist die GmbH & Co. KG, denn auch bei dieser Rechtsform wird keine natürliche Person unbegrenzt persönlich haften.
  3. Mindestkapital: Haben Sie die Mittel das notwendige Mindestkapital aufzubringen, sollten Sie nicht mit Ihrem Privatvermögen haften wollen? Entscheiden Sie sich für eine Rechtsform, welche Ihnen die Möglichkeit bietet, nicht persönlich zu haften, so „bezahlen“ Sie quasi dafür mit einer erschwerten Gründung und mit der Verpflichtung eine bestimmte Mindestkapitaleinlage einzubringen. Dies können Sie als eine Art „Ausgleich“ oder Garantie für Ihre künftigen Gläubiger sehen.
  4. Geschäftsführung: Wer übernimmt die Führung Ihres Unternehmens? In den unterschiedlichen Rechtsformen gibt es verschiedene  Möglichkeiten der Geschäftsführung bezüglich der Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit des Geschäftsführungsorgans von den Gesellschaftern.
  5. Übertragung von Anteilen: Haben Sie einen erheblichen Kapitalbedarf, der nur durch eine Vielzahl von Geldgebern gedeckt werden kann? Oder möchten Sie „fremde“ Gesellschafter vermeiden? Bei Personengesellschaften sind kurzfristige Beteiligungen eher schwierig. Im Gegensatz dazu ist die Übertragung von Anteilen bei Kapitalgesellschaften ohne besondere Beschränkungen sehr leicht.
  6. Gestaltungsfreiheiten: Möchten Sie eher Gestaltungsfreiheiten genießen oder leichter Kapital sammeln können? Der Unterschied in der Gestaltungsfreiheit wird besonders zwischen GmbH und AG deutlich. Ersteres bietet die Möglichkeit mehr personalisierte Freiheiten zu genießen und ist besonders für kleine Unternehmen interessant. Die AG hingegen ist zum einen aufwands- und kostenintensiven Regeln unterworfen, bietet jedoch den Vorteil, dass Aktionäre sich leichter beteiligen können, weil diese mehr Klarheit haben sowie Regelungen unterworfen sind und somit die Kapitalbeschaffung ankurbeln können.
  7. Veröffentlichungspflicht: Personengesellschaften haben eigentlich keine Veröffentlichungsverpflichtungen, es sei denn sie sind extrem groß. Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss veröffentlichen.
  8. Steuern: Welche Rechtsform ist für Sie steuerlich die beste Wahl? Steuerliche Gesichtspunkte spielen eine große Rolle bei der Wahl der Rechtsform bei Firmengründung. AG und GmbH sind juristische Personen und unterliegen der Körperschaftssteuer. Gesellschafter versteuern als natürliche Personen die ausgeschütteten Gewinne im Rahmen der Einkommenssteuer. Bei Personengesellschaften wird die Gesellschaft selbst nicht besteuert, und die Einkünfte der einzelnen Gesellschafter unterliegen komplett der Einkommenssteuer. Welche Gesellschaftsform steuerlich am günstigsten ist, kommt auf den konkreten Einzelfall an und kann in einem sogenannten Steuerlastenvergleich festgestellt werden.

Die verschiedenen Rechtsformen bei Firmengründung im Überblick

Es gibt eine bestimmte Anzahl von möglichen Gesellschaftsformen in Deutschland. Diese werden im Folgenden aufgezählt und die relevantesten näher erläutert:

  • Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Diese ist eine Personengesellschaft und kann jeden erlaubten Zweck verfolgen, jedoch nicht den Zweck eines Handelsgewerbes. Mindestens ein Gesellschafter haftet unbeschränkt persönlich, jedoch ist kein Mindestkapital vorgeschrieben. Die Geschäftsführung passiert durch die Gesellschafter selbst (Selbstorganschaft), kann aber vertraglich geregelt werden. Die Rechtsform der GbR erlaubt vergleichsweise mehr Gestaltungsspielraum der Gesellschafter und wird durch das Abschließen eines einfachen Gesellschaftsvertrags gegründet. Somit ist diese Rechtsform recht unkompliziert. Der Vertrag kann mündlich geschlossen werden und es ist nicht einmal ein Notar notwendig. (Ein mündlicher Vertragsabschluss ist dennoch nicht empfehlenswert.) Die Anteilsübertragung erfordert im Zweifel die Zustimmung aller Gesellschafter. Scheidet ein Gesellschafter aus, führt dies zur Auflösung der Gesellschaft. Es gibt keine unternehmerische Mitbestimmung sowie keine Veröffentlichungspflicht. Des Weiteren ist keine Anmeldung in einem staatlichen Register erforderlich.

  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Auch die OHG ist eine Personengesellschaft und quasi eine Sonderform der GbR. Allerdings handelt es sich hier um den Betrieb eines Handelsgewerbes, welches unter gemeinschaftlicher Firma auftritt. Wie auch bei der GbR haften die Gesellschafter persönlich und unbeschränkt. Es ist ebenfalls keine Mindestkapitaleinlage vorgeschrieben. Die Geschäftsführung ist ebenfalls durch die Selbstorganschaft bestimmt, d.h. die Gesellschafter legen selbst vertraglich fest, wer diese innerhalb der Gesellschafter übernimmt. Ähnlich der GbR genießt die Rechtsform der OHG weitgehende Gestaltungsfreiheit. Kommt es zur Frage der Anteilsübertragung, so ist im Zweifel die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Eine unternehmerische Mitbestimmung (z.B. durch einen Betriebsrat) gibt es nicht und eine Veröffentlichungspflicht besteht nur im Falle besonders großer Unternehmen.

  • Kommanditgesellschaft (KG)

Die KG ist ebenfalls eine Personengesellschaft und verfolgt den Betrieb eines Handelsgewerbes. Um eine KG zu gründen, bedarf es einen Kommanditist und einen Komplementär. Die unbeschränkte persönliche Haftung fällt allerdings nur auf den Komplementär, der zusätzlich mit seiner Einlage haftet. Der Kommanditist haftet nur teilweise, d.h. nur bis seiner Kapitaleinlage. Dadurch ist der Kommanditist meist von der Geschäftsführung ausgeschlossen und ist quasi „nur“ Geldgeber, dennoch können vertragliche Regelungen unter den Gesellschaften getroffen werden (Selbstorganschaft). Es ist keine Mindestkapitaleinlage vorgeschrieben. Auch bei dieser Rechtsform bestehen weitestgehend Gestaltungsfreiheiten. Bei der Anteilsübertragung ist im Zweifel die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Ähnlich wie bei der OHG gibt es keine unternehmerische Mitbestimmung und eine Veröffentlichungspflicht des Jahresabschlusses besteht nur bei sehr großen Unternehmen.

  • Aktiengesellschaft (AG)

Die AG ist den Kapitalgesellschaften zuzuordnen und lohnt sich in einem frühen Gründungsstadium nur äußerst selten. Eine AG kann ebenfalls jeden erlaubten Zweck verfolgen. Die Gesellschafter haften nicht persönlich. Es sind aber viel höhere Kosten fällig, so ist ein Grundkapital von mindestens 50.000,-€ zu erbringen. Weiter entstehen zusätzlich höhere Kosten für die Verwaltung. Bezüglich der Geschäftsführung ist eine Fremdorganschaft möglich. Die Hauptversammlung nimmt keinen Einfluss auf die Geschäftsführungsfragen. Die AG besitzt eine sehr eingeschränkte Gestaltungsfreiheit –  sie ist weitestgehend zwingend rechtlich gebunden. Die Anteilsübertragung ist in der Regel zustimmungsfrei, jedoch gibt es Ausnahmen. Ab einer Anzahl von 500 Mitarbeitern kommt es zur unternehmerischen Mitbestimmung durch einen Betriebsrat. Des Weiteren unterliegt eine AG der Publizitätspflicht, wobei der Umfang dieser von bestimmten Größen-Klassen abhängt. Die AG genießt den Vorteil eines höheren Ansehens am Markt.

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH ist eine Kapitalgesellschaft und ist damit den Körperschaften zuzuordnen. Eine GmbH kann jeden erlaubten Zweck verfolgen. Ein großer Vorteil besteht in der Trennung von Privatem und Geschäftlichem bzgl. der Haftung, wodurch das finanzielle Risiko deutlich begrenzt wird. Hier werden die Forderungen Dritter gegen die GmbH auf das Stammkapital i.H.v. 25.000,- € beschränkt. Dieses Mindeststammkapital sowie weitere Mittel für Notar und Handelsregistereintrag müssen zunächst einmal aufgebracht werden. Die Gesellschaft ist weiterhin verpflichtet ihre jährliche Bilanz zu veröffentlichen, wobei der Umfang von der Größe des Unternehmens abhängig ist. Eine unternehmerische Mitbestimmung ist ab einer Anzahl von 500 Mitarbeitern festgelegt. Eine Auflösung der Gesellschaft ist mit hohem Aufwand verbunden.

  • Unternehmensgesellschaft (UG)

Die UG ist eine besondere Form der GmbH und ähnelt auch der englischen Limited. Im Unterschied zur GmbH muss bei der UG eine Mindeststammeinlage von nur 1,- € geleistet werden. Es ist jedoch zwingend notwendig, dass der Name des Unternehmens den Zusatz „haftungsbeschränkt“ trägt, wodurch der Kapitalmangel nach außen kommuniziert wird. Die Notarkosten sowie Handelsregisterkosten fallen wie bei der GmbH an. Die Gründung ist in einem vereinfachten Verfahren möglich und bringt zudem die Haftungsvorteile einer GmbH mit sich. Es sind jedoch 25 Prozent des jährlichen Gewinns in eine Rücklage einzuzahlen. Sobald die Rücklage und das bis dahin vorhandene Stammkapital den Schwellenwert von 25.000,- € erreicht haben, kann die UG in eine GmbH umgewandelt werden.

  • GmbH & Co. KG

Die GmbH & Co. KG ist eine besondere Rechtsform. Der Zweck dieser Konstellation ist der Betrieb eines Handelsgewerbes. Der Komplementär (persönlich unbeschränkt haftend) ist in diesem Fall die GmbH, also keine natürliche Person, sondern eine juristische Person. Es gilt die Haftungsbeschränkung der GmbH. Das Mindestkapital seitens der KG ist wie bei der KG, d.h. es ist nicht vorgeschrieben, und seitens der GmbH wie bei der GmbH, d.h. 25.000,-€. Weiter ist bzgl. der Geschäftsführung eine Fremdorganschaft über die Komplementär-GmbH möglich, es können also außenstehende Fachleute als Geschäftsführer bestellt werden. Die GmbH & Co. KG ist verpflichtet ihren Jahresabschluss zu veröffentlichen.

Weitere mögliche Unternehmensformen sind:

  • Stille Gesellschaft (stG)
  • Partnergesellschaft (PartG)
  • Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV)
  • Reederei
  • Eingetragener Verein (e.V.) und nicht rechtsfähiger Verein
  • Europäische Aktiengesellschaft/ Societas Europaea (SE)
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)
  • Eingetragene Genossenschaft (eG)
  • Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG)

Welche Rechtsform ist die Richtige für mich und meine Firma?

Um diese Frage für sich selbst zu beantworten, bitte ich Sie folgende Punkte für sich selbst zu beantworten, welche für die Entscheidung zur richtigen Rechtsform bei Ihrer Firmengründung besonders wichtig sind:

  • Sind Sie Gewerbetreibender oder Freiberufler? Was ist der genaue Zweck, den Ihr unternehmerisches Vorhaben verfolgt?
  • Gründen Sie allein oder mit Partnern?
  • Sind Sie Kauffrau bzw. oder Kaufmann?
  • Welche Rechtsform(en) sind in Ihrer Branche üblich?
  • Möchten Sie die Haftung beschränken?
  • Soll die Rechtsform möglichst geringe Gründungskosten verursachen (z.B. Einlage von Grundkapital, Kosten für Notar)?
  • Soll die Rechtsform mit möglichst wenig laufendem Aufwand verbunden sein?
  • Verbinden Sie mit der Rechtsform ein bestimmtes Image?
  • Welche Flexibilitätsansprüche stellen Sie an Ihre Unternehmensform?
  • Wie stellen Sie sich die Geschäftsführung vor?

Wenn möglich, empfiehlt sich die Beschränkung der persönlichen Haftung und demnach die Gründung von z.B. einer GmbH. Ist der Börsengang ein Zukunftsziel, so ist eine Umwandlung von einer GmbH in eine AG ohne größeren Aufwand möglich.

Dennoch gilt es abzuwägen. Bevor Sie sich für oder gegen eine bestimmte Rechtsform entscheiden, sollten Sie sich einen guten Überblick verschaffen. In einem nächsten Schritt sollten Sie sich professionell beraten lassen, denn die richtige Entscheidung wird sich für Sie auszahlen und sollte mit Bedacht gewählt sein.

Ein paar hilfreiche Links für Ihre Recherche:

http://www.gruenderszene.de/allgemein/welche-rechtsform-sollten-grunder-wahlen-start-der-iitr-rechtsreihe

http://www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/vorbereitung/gruendungswissen/rechtsform/

http://www.iyotta.de/index.php/existenzgruendung/vorbereitung/384-checkliste-existenzgruendung.html#Rechtsform

Haben Sie bereits ein Unternehmen gegründet und können uns von Ihren Erfahrungen berichten?

Category:
Gründung

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