Bargeld

Die neue Kollegin ist erst seit wenigen Tagen im Büro in Berlin. Sie kommt ursprünglich aus Kanada und lebte bevor sie nach Deutschland zog viele Jahre in Australien. Sie freut sich außerordentlich auf ihre Zeit hier und auf den neuen Job, an eine spezielle Sache aber muss sie sich noch gewöhnen – in Deutschland regiert auch im Jahr 2014 das Bargeld und ihre Karten werden oftmals nicht angenommen. Tatsächlich sind viele Länder Europas diesbezüglich noch rückständig und so ist bisher oft auch in Italien, Spanien oder Frankreich nur Bares – Wahres.

In kaum einem anderen Land der Welt aber sind Münzen und Scheine beliebter als in Deutschland. 80% aller Bezahlvorgänge finden immer noch in bar statt und die Deutschen, so scheint es, vertrauen der Plastikkarte nur bedingt. Die Verliebtheit der Deutschen in das Bargeld geht sogar soweit, dass sich noch immer umgerechnet 6,65 Millarden Euro der seit 2001 nicht mehr herausgegeben D-Mark in bar im Umlauf befinden. Statistisch gesehen besitzt also jeder Bundesbürger noch irgendwo 160 DM. Es gibt dazu eine Vielzahl an Personen, die den Banken nicht trauen und das Bargeld lieber buchstäblich unter dem Kopfkissen verstecken oder im Garten vergraben. Doch woran liegt das und warum genau haben so viele Menschen ein Problem damit, bargeldlos zu zahlen?

Ein oft aufgeführter Grund für die schwierige Etablierung der Kartenzahlung sind Sorgen bezüglich Sicherheit und Datenschutz. Glaubt man den Umfragen, sind die Hauptbedenken der Bevölkerung dabei, dass man elektronische Zahlungen einfacher nachverfolgen kann, dass Karten und auch entsprechende Daten leicht geklaut und missbraucht werden können und dass es schlicht sicherer wäre bar zu bezahlen. Auch, dass Banken und Kreditkarten-Anbieter Zahlungsinformationen speichern wird als problematisch angesehen. Folglich gibt es also auch im Jahr 2014 ein großes gesellschaftliches Misstrauen gegenüber Bezahlterminals und Kartenlesegeräten. Ist dieses Misstrauen aber berechtigt?

Die Antwort liefert ein Blick über den großen Teich. In den Vereinigten Staaten sind Kartenzahlungen, genau wie übrigens in immer mehr Ländern Europas, aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In Italien z.B. wird die Kartenzahlung sogar per Gesetz gefördert und so gilt für die Italiener seit diesem Jahr, dass Beträge über 50 € mit Karte gezahlt werden sollen. Sowieso erleichtern und beschleunigen die Karten Bezahlvorgänge, sind unkompliziert und sorgen z.B. durch Spontankäufe aus unternehmerischer Sicht für einen höheren Umsatz. Auch die Minimierung des Diebstahl- und Verlustrisikos für den Einzelnen und die lästige Kleingeldsuche entfallen, genauso wie der permantente Weg zur Bank. Die Sammlung und Speicherung bestimmter Bezahlvorgänge trägt ebenfalls zur Sicherheit bei und verringert das Risiko aller. So können unberechtigte Zahlungen leichter zurückverfolgt werden und es besteht sogar oftmals die Möglichkeit diese rückängig zu machen.

Der Markt für elektronische Bezahlungen wächst weltweit unaufhörlich und es gibt diverse Trends, Innovationen und neue Möglichkeiten auf einfachstem Weg bargeldlos einzukaufen. Die Zurückhaltung vieler ist also eher unbegründet und die Möglichkeiten bargeldlos zu zahlen, werden sich auch in Europa immer weiter ausbreiten. Egal ob der Friseur des Vertrauens, das Lieblingsrestaurant oder der Bäcker um die Ecke – Kartenzahlung wird speziell für kleine Unternehmen immer bedeutender und ist für viele Händler inzwischen unverzichtbar.

Die neue Kollegin hat sich inzwischen übrigens gut eingelebt und auch der Umtand oftmals nur mit Bargeld zahlen zu können ist ihr mittlerweile vertraut. Verstehen aber kann sie die Zurückhaltung der Menschen in Europa nicht und so hofft sie, dass es in Zukunft viele weitere Möglichkeiten geben wird ganz einfach mit ihrer Kreditkarte einzukaufen und elektronisch zu bezahlen.

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Allgemein, Finanzen
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